„…Kein Geringerer als Johann Peter Hebel…“ - Hebel auf dem Dobel

 

(Mit nachstehendem Aufsatz habe ich am Landschreiberwettbewerb 2016 "Sprache und Elemente" teilgenommen. Ich zähle nicht zu den PreisträgerInnen dieses Wettbewerbs, jedoch: der Weg ist das Ziel. Und so hoffe ich, dass ich beim Landschreiberwettbewerb  2018 zum Thema "Sprache und Fremde" wieder mit einem Beitrag, der auch als Blog auf meiner Website erscheint, teilnehmen kann und werde.)

 

 

21. Februar 2016

 

AUF dem Dobel, einem auf einer Höhenlage von etwa 700 m liegenden Ort im nördlichen Schwarzwald, den ich auf meinen Wanderungen und größeren Spaziergängen  immer wieder gern aufsuche (meine Dauer-Homepage-Besucher/innen - und solche, die es werden wollen -  möchte ich an die Blogs “Nordschwarzwald im Winter“ und “4. Dobeler Spektakulum“ erinnern, auf denen  wohl doch recht eindrucksvolle Fotos vom Dobel zu sehen sind), gibt es eine Johann-Peter-Hebel-Straße, die an der dortigen evangelischen Kirche beginnt und sich parallel zur Neuen Herrenalber Straße, welche die Verlängerung der Hauptstraße ist, hinzieht. Hebel ist mir seit langem vor allem mit seiner Geschichte “Unverhofftes Wiedersehen“ ans Herz gewachsen, und so freue ich mich jedes Mal, wenn ich den Straßennamen dort lese. Auf die Idee, dass Hebel selber einmal auf dem Dobel gewesen sein könnte, kam ich allerdings nicht.

 

Selbst in der großen und äußerst informativen Hebel-Ausstellung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (und des Museums für Literatur am Oberrhein in Karlsruhe) vom 20. Mai - 11. September 2010  „Anleitung zum Selberdenken. Johann Peter Hebels Excerpthefte“, die ich damals besuchte und die mir bis heute in lebendiger Erinnerung geblieben ist, hatte ich dort bestimmt vorhanden gewesene Hinweise auf Hebels Ferien auf dem Dobel 1799 schlicht überlesen! Aber es gab dort damals auch so viel zu sehen und zu lesen, da kann es schon mal passieren, dass das “Naheliegende“ nun ganz übersehen wird! Eben nicht nur die Excerpthefte von Hebel waren in der Ausstellung zu sehen, sondern darüber hinaus glänzte diese Ausstellung, die im Internet heute immer noch aufgerufen werden kann, durch das fotografische, fast räumliche, großformatige Darstellen von Orten, an denen Hebel sich aufgehalten hatte. Das Haus in Basel am Rhein, in dem er geboren wurde und zusammen mit seiner Mutter gewohnt hatte, werde ich wohl auch nicht mehr vergessen. Ein weiterer Fakt, den ich dort gelesen habe ist, dass er als 13-jähriger mit seiner todkranken Mutter von Basel nach Hausen im Wiesental - dem eigentlichen und für Hebel immens wichtigen Heimatort im südbadischen Schwarzwald - reiste und seine Mutter unterwegs starb! Das mag auf das Gemüt des Jungen in einer Weise gewirkt haben, welche seinen späteren Erzählungen eine Sprache verlieh, „… von der Martin Heidegger meinte: ... sie sei die einfachste, die hellste, zugleich bezauberndste und besinnlichste, die je gesprochen worden sei ... In seinen Kalendergeschichten werde das Bleibende im Unscheinbaren anschaulich vermittelt.“ (Entnommen:  ….dobel.de/gaeste/dobler-gedichte/eine-liebeserklaerung-an-den-dobel)

 

Zu Hebels Excerpten in der o.g. Ausstellung möchte ich noch sagen, dass darin die enorme Vielfalt des von Hebel erworbenen Wissens enthalten ist, deren Erwerb zur damaligen Zeit doch mit großen Anstrengungen verbunden gewesen war. Hebel konnte auch Stenografie, und viele Excerpte hat er in akribischer Stenografie abgefasst; dies zu lesen, ist natürlich besonders für diejenigen ein Vergnügen, die selber einmal Stenografie gelernt haben.

 

WIE lässt sich ein solch im geistigen wie im gesellschaftlichen immens reiches - aber eben auch anstrengendes - Leben, wie es das von Johann Peter Hebel war, auf wenigen Seiten darstellen? Möglich ist ein solches Unterfangen wohl nur sehr begrenzt, umso mehr möchte ich zunächst auf Persönliches von ihm eingehen, wie es besonders in seinem Ferienaufenthalt im August 1799 auf dem Dobel zum Ausdruck kommt.

 

Alles mutet dabei zunächst ein wenig kurios an: Da kommt ein Baseler, aber auch ein Südbadener, Südschwarzwälder/Hausener, und sogar ein Nordbadener/Karlsruher - dies alles zusammen war ja Hebel zu dieser Zeit - in den Nordschwarzwald, und dort ins “allerfeinste Schwäbische“: Auf den Dobel. „‘Uf'm Dobel droba, do gibt's de rechte Schwoba!‘ konnte man mit Sicherheit sagen, ein Quentchen Dobler Selbstbewußtsein war mit im Spiel.“ (Entnommen: wie oben) Dieses - schwäbische - Selbstbewusstsein existiert noch heute. Ich habe es nämlich bei den einheimischen Dobler/innen, die mich als Rekonvaleszentin nach einer schweren Erkrankung in den Senior/innen-Kreis der Dobeler evangelischen Kirche wie selbstverständlich aufgenommen hatten,  tatsächlich auch selber kennengelernt!

 

Wir “Nachfahren“ können froh sein, dass Hebel seinerzeit einen Briefwechsel mit der Pfarrerstochter Gustave Fecht im Oberland führte, …„in dem er von seinem Ferienaufenthalt im August 1799 und seinen Eindrücken im Ferienort Dobel“…(Zitat entnommen: wie oben) ausführlich berichtete. Nur dadurch sind uns die “Kuriositäten“ während dieses Ferienaufenthaltes überkommen, die dann tatsächlich dazu führten, dass Hebel schriftstellerisch tätig wurde, und zwar zunächst einmal auf Alemannisch. Hebel wurde mit seinen vielfältigen schriftstellerischen Arbeiten, zu denen als erstes der Gedichtsband „Alemannische Gedichte“ zählt, später kamen auch die „Kalendergeschichten“ auf Hochdeutsch hinzu,  berühmt – und bei richtigem, nämlich bei “Dobler Lichte“ besehen, ist dies alles seinem Aufenthalt im Gasthaus “Zum Rössle“ auf dem Dobel im August 1799 zu verdanken!

„Aus Dobler Sicht berichtet der Chronist dazu: Just als der hochwürdige Feriengast in seinem Wirtshaus unter dem Fenster lag, hörte er vom Garten herauf liebliche, alemannische Laute an sein Ohr dringen: ‘Franz, was hesch gueggelet?‘ fragte eine feine Dame ihren Begleiter, einen ebenso feinen Herrn (die Feinheit noch extra durch ein Augenglas am Band unterstrichen). Die Antwort drauf, im lieblichen Mundartdialekt des Süd-Schwarzwälders: ‘Numme do, no d'r Amsel hani glueget ...!‘ Dieser Wortwechsel beglückte unseren Ferien- und ‘Zaungast‘, auch wenn er als Vogelkenner sofort erkannte: die Amsel war keine Amsel, sie war eine Wachtel; aber das war nicht wichtig! - Die heimatlichen Sprachlaute waren es, die den bisher grüblerischen Professor so stark ergriffen, daß die heimliche Herzensnot sich löste ‘und sein Seelengemüt über Berge und Täler hinweg, in den geborgnen Schoß seines beschaulich-besinnlichen heimatlichen Oberlandes führten ...‘. ‘Aus schwingenden und gleitenden Gedanken wuchsen und reiften zur Beglückung und Erbauung der Zeit und Nachwelt Reime und Verse: die ‘Alemannischen Gedichte‘. ... So etwa skizzieren die Überlieferungen den Dobler Erholungsaufenthalt von Johann Peter Hebel und halten damit die Erinnerungen an Dobels ersten prominenten Kurgast wach.“ (Text ebenfalls entnommen aus: ….dobel.de/gaeste/dobler-gedichte/eine-liebeserklaerung-an-den-dobel)

 

WAS Hebel anderen Dichtern und Denkern aus aller Welt bedeutete und bedeutet, wird in einem Aufsatz bei Wikipedia, an dem dort noch gearbeitet wird und von dem ich nun große Teile hierher kopiert und so übernehmen möchte, wie es dort bisher niedergeschrieben wurde, klar herausgestellt:

 

„Zu Hebels Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Goethe, der sich selbst einmal an einem Gedicht in alemannischer Mundart versucht hatte, [33] lobte insbesondere die Alemannischen Gedichte: Hebel habe, so Goethe, „auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert.“[34] Goethe wehrte sich auch gegen Rufe, Hebels Gedichte zu übersetzen: „Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!“[35] Bei einem Treffen mit Hebel im Oktober 1825 ließ sich Goethe von diesem aus den Alemannischen Gedichten vortragen und schrieb später über ihn, er sei „ein ganz trefflicher Mann“. [36] Weitere Bewunderer Hebels waren die Brüder Grimm. Mit Jacob Grimm kam es 1814 auch zu einem Treffen in Karlsruhe.

Besonders an Hebels Werk hervorgehoben wird die Verbindung von Volkstümlichem mit tieferen Aussagen und Gedanken. So lobte beispielsweise August Vilmar, Hebels Vergänglichkeit gebe dem volksmäßigen Vordergrund einen Hintergrund, den man bei anderen volkstümlichen Idyllendichtern vergeblich suche. Vilmar hob ferner Hebels Naturbeschreibungen der Wiese und das Gedicht Sonntagsfrühe hervor, insbesondere aber die Geschichten des Schatzkästleins: „Die Erzählungen […] sind an Laune, an tiefem und wahrem Gefühl, an Lebhaftigkeit der Darstellung vollkommen unübertrefflich und wiegen ein ganzes Fuder Romane auf.“[37] Auch Theodor Heuss lobte an Hebels Werk, dass er die bodenständige alemannische Sprache nicht zur Parodisierung und Vulgarisierung nutzte, sondern sie zu „einem Werkzeug echten Dichtertums“ machte und ein Werk schuf, in dem, so Heuss, „der Unterton des Bleibenden, des Gültigen, des Ewigen, des Ewig-Menschlichen mitklingt“. [38]

 Auch spätere Autoren brachten Hebel hohe Wertschätzung entgegen. Charakteristisch hierfür ist auch ein Zitat von Hermann Hesse: „Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, dass Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe.“[39] Theodor W. Adorno rühmte Johann Peter Hebels Aufsatz Die Juden als eines „der schönsten Prosastücke zur Verteidigung der Juden, das deutsch geschrieben wurde“,[40] und Elias Canetti beschrieb in Die gerettete Zunge, welchen Stellenwert für ihn Hebels Schatzkästlein hatte: „Kein Buch habe ich geschrieben, das ich nicht heimlich an seiner Sprache maß, und jedes schrieb ich zuerst in der Kurzschrift nieder, deren Kenntnis ich ihm allein schulde.“…

Patrick Roth verfasste mit seinem Essay Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac (1995) eine weitere Hommage an Hebel: Der Text erzählt von der Selbstfindung des jungen Roth als deutscher Schriftsteller in Amerika und beginnt mit einer Autofahrt durch Los Angeles und der auf Band gelesenen Lieblingsgeschichte Roths: „‚Unverhofftes Wiedersehen‘. Von Hebel so erzählt, daß man glauben lernt, alles Geliebt-Verlorene eines Tages doch noch wiederzusehen.“[42]

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler W. G. Sebald interpretiert in seinem Essay Es steht ein Komet am Himmel – Kalenderbeitrag zu Ehren des rheinischen Hausfreunds die Kalendergeschichten als tiefste emotionale Momente. Hebels Sprache kehre sich nach innen und der Erzähler lege uns beinahe spürbar seine Hand auf den Arm: „Hebel löst sich aus dem Zusammenhang des Lebens und begibt sich auf jene höhere Warte, von der aus man [...] hinübersieht in das entfernte gelobte Land der Menschen, jene Heimat eben, in der [...] noch keiner gewesen ist.“[43]

 

NACHDEM meine Leser/innen mir bis hierher gefolgt sind, glaube ich, nach ihren Wünschen richtig zu handeln, wenn ich nun hier auch einen Lebenslauf von Johann Peter Hebel einstelle, der in einer guten Übersicht die einzelnen Lebensstationen des Dichters, Theologen und Pädagogen darstellt. Dies geschieht mit freundlicher Genehmigung des Bürgermeisters der Stadt Hausen im Wiesental, Herrn Bühler, der diesen Lebenslauf erstellte bzw. erstellen ließ.

 

1760  - 10. Mai:

Johann Peter Hebel in Basel geboren.

Vater: Johann Jakob Hebel (1720-61), Leineweber aus Simmern; Mutter: Ursula geb. Oertlin (1727-73) von Hausen im Wiesental; beide im Dienste der Basler Patrizierfamilie Iselin-Ryhiner.

 

1761

Erkrankung der Familie, Tod des Vaters und der einen Monat alten Schwester Susanne.

1766-1773

Schulen: Volksschule in Hausen, ab 1769 zudem Lateinschule in Schopfheim. In den Sommermonaten 1766 bis 1768 Gemeindeschule St. Peter und 1772 Gymnasium am Münsterplatz in Basel.

1773

Bei Pfarrer Karl Friedrich Obermüller in Schopfheim. - Tod der Mutter.

1774

Vorzeitige Konfirmation. Eintritt ins Gymnasium illustre in Karlsruhe.

1775

Vorzeitiger Übertritt in die "Prima", den dreijährigen Schlußkurs für angehende Theologen.

1778

Abschlußexamen, öffentliche Disputation. - Beginn des Theologiestudiums an der Universität Erlangen.

1780

Rückkehr nach Karlsruhe, Vorbereitung der Examina, die offenbar mäßig ausfallen: die bisherigen Gönner ziehen sich zurück. Hebel ist "Kandidat des geistlichen Amtes" ohne Anstellung.

1780 - 1783

Hauslehrer bei Pfarrer Ph. J. Schlotterbeck in Hertingen. 1782 Ordination und Mithilfe bei der Seelsorge in Hertingen und Tannenkirch.

1783

Ernennung zum Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer) am Pädagogium in Lörrach. Privatstunden. Predigtverpflichtung. - Freundschaft mit Prorektor Tobias Günttert.

1787

Friedrich Wilhelm Hitzig (1767 - 1849), Pfarrvikar in Rötteln, wird zum vertrautesten Freund Hebels. - "Belchismus" und "Proteusertum" im Freundeskreis (Naturnahe Privatmythologie).

1788

Beginn der Freundschaft mit Gustave Fecht (1768 -1828), der Schwägerin Güntterts. Auch nach der Versetzung Güntterts als Pfarrer nach Weil (1790) bleibt Hebel häufiger Gast in seinem Haus. - Die Erwartung, an die Prorektorsstelle nachzurücken, erfüllt sich nicht.

1791

Berufung als Subdiakon ans Karlsruher Gymnasium. Im Dezember erste Predigt in Karlsruhe.

1792

Beförderung zum Hofdiakon. - Freundschaft mit dem Kollegen Nikolaus Sander.

1796

Der Hofbotanikus Karl Christian Gmelin bringt das Naturalienkabinett nach Ansbach in Sicherheit vor den nahenden Kriegshandlungen; Hebel übernimmt seinen Unterricht in Naturgeschichte. - Erste Reise ins Oberland: entscheidende Aussprache mit Gustave Fecht (?). - Augenzeuge des Rückzugs der Franzosen über den Rhein.

1798

Ernennung zum außerordentlichen Professor. Befreiung von der Predigtverpflichtung.

1799

Ehrenmitglied der Mineralogischen Gesellschaft in Jena.

1800

Erste alemannische Gedichte.

1802

Suche nach einem Verleger für die "Alemannischen Gedichte". Einladung zur Subskription. - Korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Ärzte und Naturforscher Schwabens.

1803

Alemannische Gedichte bei Macklott in Karlsruhe erschienen.  Rezensionen von Johann Georg Jacobi und Jean Paul.

1804

Zweite Auflage der "Alemannischen Gedichte". - Begegnung mit  Johann Heinrich Voß.

1805

Erster Besuch bei Familie Haufe in Straßburg, seither Briefwechsel mit Frau Sophie. - Schweizer Reise als Mentor der Brüder von Menzingen. - Ernennung zum Kirchenrat. - 

Goethes Rezension der "Alemannischen Gedichte".

1806

Auf Wunsch des Großherzogs Karl Friedrich bewirbt sich Hebel nicht um die Pfarrei Freiburg. - Dritte Auflage der "Alemannischen Gedichte" mit Kupfern von Zix und Simon. - Unabgefordertes Gutachten über eine vorteilhaftere Einrichtung des Landkalenders.

1807

Übernahme der Redaktion des badischen Landkalenders, nun der Rheinländische Hausfreund.

1808

Direktor des Gymnasiums. - Gastspiel der Schauspielerin Henriette Hendel in Karlsruhe.

1809

Mitglied der evangelischen Kirchen- und Prüfungskommission. - Henriette Hendel "deklamiert" alemannische Gedichte in Karlsruhe. -  Die Juden in der Zeitschrift "Jason" veröffentlicht.

1811

Das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes erscheint bei Cotta in Tübingen.

1812

Letzte Reise ins Oberland.

1814

Begegnung mit Jacob Grimm. - Berufung in die evangelische Ministerialsektion, Rücktritt von der Direktion des Gymnasiums - Hebel gibt die Kalenderredaktion auf.

1815

Zusammentreffen mit Goethe.

1816

Zweite Auflage des Schatzkästleins.

1817

Übernahme des Direktoriums des altbadischen evangelischen Pfarrwitwenfiskus. - Letztes Zusammentreffen mit Henriette Hendel.

1818

Redaktion des Rheinländischen Hausfreundes für 1819.  Beginn der Arbeit an den "Biblischen Geschichten".

1819

Ernennung zum Prälaten der evangelischen Landeskirche; damit ist Hebel Mitglied der Ersten Kammer des badischen Landtags; Zusammenarbeit mit Generalvikar Ignaz Heinrich Karl Freiherr von Wessenberg.

1820

Fünfte, erweiterte Auflage der Alemannischen Gedichte bei  Sauerländer in Aarau. - Antrittspredigt an eine Landgemeinde. - Ritterkreuz und Kommandeurkreuz des Zähringer Löwenordens.

1821

Maßgebliche Teilnahme an der Generalsynode zur Union der lutherischen und reformierten Kirche in Baden. Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universität Heidelberg.

1824

Die "Biblischen Geschichten" erscheinen bei Cotta. - Ende der Lehrtätigkeit am Gymnasium.

1826

Wohnungswechsel. - Oswald Haufe in Hebels Haushalt. Letzte Reise nach Straßburg. - Trotz Krankheit Prüfungsreise nach Mannheim; Besuch bei Gartendirektor Johann Michael  Zeyher in Schwetzingen. 

Hier stirbt Hebel am 22. September.

 

MEINE Besucher/innen wissen in der Zwischenzeit nun einiges vom reichen und besonderen Leben des Johann Peter Hebel. Ich möchte Sie, liebe Besucher/innen, jedoch nicht gehen lassen, ohne dass Sie die Gelegenheit gehabt hätten, von diesem wenigstens ein Gedicht auf Alemannisch kennenzulernen. Ich stelle von ihm hier das Gedicht „Das Lied vom Kirschbaum“ vor:

 

 

Der lieb Gott het zum Früehlig gseit:

"Gang, deck im Würmli au si Tisch!"

Druf het der Chriesbaum Blätter treit,

viel tausig Blätter grüen und frisch.

 

Und's Würmli, us em Ei verwacht's

's het gschlofen in sim Winterhus;

es streckt si und sperrt 's Müli uf

Und ribt die blöden Augen us.

 

Und druf, se het's mit stillem Zahn

am Blättli gnagt enanderno

und gseit: "Wie isch das Gmües so guet!

Me chunnt schier nimme weg dervor".

 

Und wieder het der lieb Gott gseit:

"Deck jetz im Imli au si Tisch!"

Druf het der Chriesbaum Blüete treit,

viel tausig Blüete wiß un frisch.

 

Und's Imli sieht's und fliegt druf los,

früeih in der Sunne Morgeschin;

es denkt: "Das wird mi Kaffi sy,

sie hen doch chosper Porzelin.

 

Wie sufer sind di Chächeli gschwenkt!"

Es streckt si troche Züngli dry.

Es trinkt und seit: "Wie schmeckt's so süeß,

Do mueß der Zucker wolfel sy."

 

Der lieb Gott het zuem Summer gseit:

"Gang, deck im Spätzli au si Tisch!"

Druf het der Chriesbaum Früchte treit,

viel tausig Chriesi rot und frisch.

 

Und's Spätzli seit: ""sch das der Bricht?

Do sitzt me zue und frogt nit lang.

Das git mer Chraft im Mark und Bei

und stärkt mer d' Stimm zuem neue Gsang."

 

Der lieb Gott het zum Spötlig gseit:

"Rum ab! sie hen jetz alli gha!"

Druf het e chüele Bergluft gweiht,

und's het scho chleini Rife g'ha.

 

Und 'd Blättli werden gel und rot

und fallen eis im andere no,

und was vom Boden obsi chunnt,

muß au zuem Bode nidsi go.

 

Der lieb Gott het zuem Winter gseit:

"Deck weidli zui, was übrig isch."

Druf het der Winter Flocke gstreut -

nun danket Gott und geht zur Ruh'!

(Die letzte Zeile fehlt auf Alemannisch.)

 

 

ZUM Schluss möchte ich der Gemeinde Dobel danken, die es mir gestattete, große Teile des Textes aus  ….dobel.de/gaeste/dobler-gedichte/eine-liebeserklaerung-an-den-dobel in meinen Blogbeitrag zu übernehmen, wobei, da ich Links auf meine Homepage nicht übernehme, dieser durchgehend gekürzt wurde. Ebenfalls noch einmal gedankt sei der Gemeinde Hausen im Wiesental, von der ich den oben niedergeschriebenen Lebenslauf von Hebel übernehmen durfte. Gern erwähne ich an dieser Stelle, dass nach Mitteilung des Bürgermeisters Herrn Bühler die Gemeinde Hausen im Wiesental über die umfangreichste Sammlung von Texten von Johann Peter Hebel im Internet verfügt.   

 

AUCH der Hebel-Briefmarke am Ende dieses Blogs möchte ich selbstverständlich ihren Stellenwert zukommen lassen. Diese wurde 1985 zum 225. Geburtstag von Johann Peter Hebel herausgegeben und nach einem Aquarell von Karl Agricola: “Hebel und Vreneli“ aus dem Jahr 1814, das in der Zwischenzeit Allgemeingut geworden ist, geschaffen.

 

 

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